Bonifatiusschule | Turnhallen im Baukastensystem | D'Inka +  Scheible Architekten Europaviertel | 3D-Ansicht des GWH-Baufeldes Europaviertel | Bildnachweis: GWH Städel | Das Urteil der Jury zum Erweiterungskonzept: "Ein leuchtendes Juwel am Tag, ein Lichtteppich in der Nacht - etwas ganz Besonderes ist gelungen!" | Bildnachweis: Städel Die Goldene Waage Frankfurt | Foto: Stadtarchiv Gateway-Ausblick | Gateway Gardens / Quartier Alpha mit Skyline-Blick | Bildnachweis: bcc

Frankfurt, die soziale Stadt
Das Modell Gallus

Liebe Leserinnen und Leser,

Frankfurt wird häufig als die Finanzmetropole bezeichnet. Viel seltener liegt der Fokus auf Frankfurt als sozialer Stadt. Ein gutes Beispiel für die vielseitigen Anstrengungen, die wir als Planungsdezernat in dieser Hinsicht unternehmen, ist der Stadterneuerungsprozess Soziale Stadt Gallus. Seit der Aufnahme in das Bund-Länder Programm "Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf ‐ die Soziale Stadt" im Jahr 2001 geht dieser Prozess voran. Weil wir unser Engagement auch nach dem Ende der aktiven Förderphase fortsetzen, haben die Gallus-Bewohner Ende April einen neuen, inzwischen vierten Stadtteilbeirat gewählt.

Durch die überwiegend industriell geprägte Entstehungsgeschichte war das Gallus in den vergangenen Jahren besonders stark vom Strukturwandel betroffen: Denn im 19. Jahrhundert hatten sich viele Produktionsbetriebe wegen der Lage zwischen den beiden Eisenbahnanlagen im Gallus angesiedelt. Neben den Flächen für Industrie und Gewerbe wurden etwa ab 1900 dicht bebaute Arbeiterwohnquartiere errichtet, sowie in den zwanziger, dreißiger und den fünfziger Jahren die Hellerhofsiedlung und Friedrich-Ebert-Siedlung. So war ein eigenständiger Industrie- und Arbeiterstadtteil entstanden. Heute zählt das Gallus mit zuletzt über 28 000 Einwohnern zu den größten Stadtteilen Frankfurts.

Anlass für die Aufnahme des Projektgebiets mit einer Gesamtfläche von rund 284 Hektar in das Bund- Länder-Programm war der Mangel an gewerblichen Arbeitsplätzen und die Konzentration von sozial Benachteiligten, insbesondere von Menschen mit Migrationshintergrund und von gering qualifizierten Arbeitnehmern. Dazu kamen starke Umweltbelastungen durch die Verkehrstraßen, der Mangel an öffentlichen Grün-, Frei- und Spielflächen sowie Modernisierungsrückstände, die damals das Viertel prägten.

Außerdem sollten neue städtebauliche Entwicklungen wie das nördlich angrenzende Europaviertel positiv genutzt und sozialverträglich abgefedert werden. Über den integrativen Ansatz des Programms konnten wir das Gallus seither städtebaulich erneuern, sozial stabilisieren, die lokale Identität und die interkulturelle Integration fördern sowie die lokale Wirtschaft stärken.

Die Liste der umgesetzten Projekte ist zu lange, um sie an dieser Stelle aufzuführen. Sie reicht von den Anfängen mit der Errichtung des "Europaspielplatzes" und der Etablierung des Stadtteilbüros samt Quartiersmanagement über die Kletterwand in der Sporthalle der Paul- Hindemith-Gesamtschule und der Umgestaltung des Innenhofes der Seniorenbegegnungsstätte Hellerhofsiedlung bis hin zum Spielplatz an der Anspacher Straße, dem Bolzplatz Galluspark 2, dem Stadtteiltreffpunkt Quartierspavillon Quäkerwiese und der umfangreichen Neugestaltung der Frankenallee.

Die Gewerbebrache "Teves-West" wurde modernisiert und als eine Art soziokulturellem Zentrum umgenutzt. Zur Stabilisierung des Zusammenlebens im Stadtteil sowie zur Verbesserung der Bildungs- und Berufschancen der Menschen im Gallus wurden außerdem zahlreiche soziale Projekte durchgeführt. Auch eine Imagekampagne des Gewerbevereins und von Vertretern ansässiger Unternehmen wurde ins Leben gerufen.

Neben den vielfältigen baulichen und sozialen Projekten zur Verbesserung der Lebensverhältnisse war und ist die Aktivierung der Bürgermitwirkung ein wichtiger Baustein des Programms. Seit 2004 wird dieser Erneuerungsprozess vom eingangs erwähnten Stadtteilbeirat mit gestaltet. Dieses ehrenamtlich arbeitende Gremium kümmert sich nicht nur um die Belange der Stadtteil-Bewohner, sondern trägt durch sein Engagement ganz erheblich zum Gelingen der Sozialen Stadt bei.

Wesentliche Ziele des Integrierten Handlungskonzeptes, die Entwicklung von konkreten Projekten sowie deren bauliche Umsetzung wurden durch den jeweiligen Stadtteilbeirat entwickelt beziehungsweise begleitet.

Seit dem Ende der aktiven Förderphase im Jahr 2011 befindet sich die Soziale Stadt Gallus in der sogenannten Verstetigungsphase. Das bedeutet, dass größere bauliche Projekte wie die weitere Umgestaltung der Frankenallee mit der Öffnung des Homburger Damms und die Aufwertung des Stadtteileingangs Galluswarte noch realisiert werden. Vor allem aber sollen die bisher aufgebauten Beteiligungs- und Unterstützungsstrukturen wie der Stadtteilbeirat und das Stadtteilmanagement nachhaltig gesichert werden.

Künftig wird der Stadtteilbeirat mit Hilfe eines Verfügungsfonds von 18 000 Euro jährlich auch die Möglichkeit haben, kleinere soziale Projekte und Aktivitäten im Sinne der dauerhaften Stärkung des nachbarschaftlichen Zusammenlebens zu unterstützen. Über die Verwendung der Mittel kann der Beirat eigenständig entscheiden.

Als ehemaliger Bewohner des Gallus bin ich vollauf davon überzeugt, dass der Stadtteil sich auf einem richtig guten Weg befindet und sich zu einem noch lebendigeren und noch liebens- werteren Stadtteil entwickelt. Das wird dazu beitragen, dass Frankfurt künftig stärker als bislang als soziale Stadt wahrgenommen werden wird.

Olaf Cunitz,
Bürgermeister und Planungsdezernent der Stadt Frankfurt am Main